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geschrieben am: 21.09.2002 um 17:33 Uhr
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Narzißmustheorie
In der griechischen Mythologie verliebt sich ein schöner junger Mann, Narziß, in sein eigenes Spiegelbild. Siegmund Freud griff 1914 diesen Begriff (Narziß) auf.
Auch diese Theorie hat einen psychoanalytischen Ansatz. In neuerer Zeit beschäftigte sich vor allem Henseler mit dieser Theorie.
Henseler geht davon aus, daß jeder Mensch eine Vorstellung der Realität hat, die er als eine Art Idealvorstellung ansieht. Bei suizidgefährdeten Menschen ist das narzißtische Gleichgewicht zwischen dieser Idealvorstellung und der Realität gestört. Das Selbstwertgefühl einer Person kann durch negative Erlebnisse und Erfahrungen (z.B. im Beruf, in der Familie oder einer Partnerbeziehung) so empfindlich gestört und/oder gekränkt werden, daß als einziger Ausweg der Suizid erscheint. Diesen Personen ist es nicht mehr möglich, ihr eigenes Ich und ihre Umwelt narzißtisch zu besetzten und sie sind daher schon bei der kleinsten Kränkung in ihrem Selbstwertgefühl verletzt und am Boden zerstört.
(Haenel, 1989, S. 90)
Viele suizidale Menschen haben eine schwierige Kindheit hinter sich, haben eine sogenannte ,,Broken-home-Situation" erlebt. Unter einer äußeren Broken-home-Situation wird zum Beispiel eine Scheidung der Eltern verstanden, der Tod eines Elternteils oder beider. Unter der inneren Broken-home-Situation versteht man eine beeinträchtigte Kindheit dadurch, daß sich das Selbst des Kindes nur ungenügend entwickeln konnte, beispielsweise weil das Kind einengend und lieblos erzogen wurde. Die Familie ist nach außen hin durchaus intakt, aber die Eltern nehmen sich beispielsweise keine Zeit für ihre Kinder, die Kinder sind also ,,Waisenkinder mit Vater und Mutter". Den Kindern fehlt später die Erfahrung einer liebevollen Familie, die sie umsorgt und von der sie Liebe und Zuneigung erhalten. Sie können dann Größenvorstellungen entwickeln, die der Realität nicht standhalten. Dadurch werden die Betroffenen depressiv und verzweifelt, sie finden keinen Ausweg mehr und neigen zum Suizid. Viele suizidale Personen haben die Vorstellung, nach dem Suizid noch am Leben teilhaben zu können. Dies entspricht der Persönlichkeit der Personen: Größenideen und Idealvorstellungen sind für narzißtisch gestörte Menschen typisch; während der Suizidhandlung stellt sich das so dar, daß sich diese Menschen als Herr über Leben und Tod fühlen.
"Suizidhandlungen sind fast immer als Reaktionen selbstunsicherer Menschen auf Kränkungen zu verstehen, die durch Verleugnung und Idealisierung nicht mehr zu kompensieren waren", so Henseler in Haenel , 1989, S. 90.
Soziologische Theorie
Diese Theorie geht auf Emil Durkheim zurück. Durkheim bezeichnet den Selbstmord als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse (1897). Durkheims Theorie war jahrelang die meist zitierte und erforschte. Auch heute noch ist sie einflußreich.
Durkheim ging davon aus, daß soziale Einbettung in die Gesellschaft, in der ein Mensch lebt, wichtig für ihn ist. Die Wahrscheinlichkeit eines Suizids wird somit dadurch bestimmt , wie stark eine Person in diese sozialen Institutionen (beispielsweise Familie, Kirche und Gemeinde) integriert ist. Je mehr sich ein Mensch zugehörig fühlt, desto geringer ist das Suizidrisiko bei dieser Person. Allerdings wirkt eine zu starke Bindung an eine Gruppe wiederum suizidfördernd.
(vgl. Haenel, 1989, S. 90f)
Nach Durkheim gibt es drei Suizidkategorien:
¬ Egoistische Suizide: (egoistisch = ichsüchtig, selbstsüchtig)
Die Großfamilie existiert weitestgehend nicht mehr in unserer Gesellschaft. Kinder sind oft Einzelkinder, die nicht lernen, was es bedeutet, Geschwister zu haben, mit ihnen Konflikte auszutragen oder auch zu Teilen. Moderne Medien sind die Babysitter der heutigen Zeit. All dies trägt dazu bei, daß eine Entfremdung stattfindet. Die Gesellschaft hat wenig oder sogar gar keine Kontrolle über diese Menschen. Sie sind keinen gesellschaftlichen Regeln oder Normen unterworfen und somit auch nicht in das gesellschaftliche Beziehungsnetz integriert. Es herrscht ein Mangel an Gemeinschaftssinn. Durkheim zufolge kommt diese Art von Suizid vor allem bei Menschen vor, die isoliert, entfremdet und nichtreligiös sind.
¬ Altruistische Suizide: (altruistisch = selbstlos)
Diese Art von Suizid betrifft Menschen, die besonders gut in die Sozialstruktur integriert sind. Sie opfern sich bewußt für das Wohlergehen der Gesellschaft. Beispiele hierfür sind Soldaten, die sich über eine scharfe Granate werfen, um andere zu retten, japanische Kamikaze-Piloten oder auch buddhistische Mönche und Nonnen, die mit Selbstverbrennung gegen den Vietnamkrieg protestierten.
Ebenso kann (im Gegensatz zum egoistischen Suizid) die Familie eine Person so sehr einengen, daß es zu einem Suizid führt. Ein eigenständiges Ich konnte dann nicht entwickelt werden. |
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