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Der Wille des Herren

Nutzer: Odin
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geschrieben am: 10.01.2010    um 23:54 Uhr   IP: gespeichert


Es dämmerte. Die Sonne hatte sich zwar noch nicht über den Horizont erhoben, vertrieb aber bereits die Dunkelheit die sich wie ein schwarzes Tuch über den alten Friedhof gelegt hatte. Ein paar Vögel begrüssten die ersten Sonnenstrahlen mit einen freudigen zwitschern. Die Bäume die noch in der nacht vom starken Sturmwind gebeugt wurden, standen majestätisch am Rande des Ackers und vermittelten einen ehrfurchtgebietenden Eindruck von Stärke und Beständigkeit der Natur. Ein idyllisches Bild welches darüber hinweg zu täuschen vermochte was dies für ein Ort eigentlich war. Ein Ort der Trauer und des Todes.

Der junge Mann in der Sutane eines Pristers, der vom Eingang einer grossen marmornen Krypta lag, dachte genau darüber nach. Obwohl er im Sterben lag drehten sich seine Gedanken um die Schönheit der Schöpfung, die er in den letzten Augenblicken seines Lebens erst zu schätzen gelernt hatte. Und während aus seiner aufgerissenen Kehle im Rhythmus des Pulsschlags sein Blut sich auf den Lehmboden ergoss, umspielte ein Lächeln seine blutverkrussteten Lippen. Ein naiver, schon fast erwartungsvoller Gesichtsausdruck verriet das der Priester bereit war. Was auch immer als nächstes kam er war bereit.

Als hinter ihn in der dunklen Öffnung der uralten Krypta sich etwas regte und ein schleifendes Geräusch ertöhnte zuckte der Sterbende zusammen. Seine Hand umklammerte ein schlichtes Holzkreuz welches an seinen Gürtel befestigt war. „Herr“ flüssterte er leise. Seine Augen weiteten sich und er versuchte instinktiv von den Eingang der Gruft weg zu kriechen. Seine Augen erkannten eine dunkle Siluette, die mit seltsamen schleifenden Schritten sich den Lichtkegel der Öffnung näherte. Als er dann den Mann erkannte der ein Bein hinter sich her schleifend ins licht traf atmete er erleichtert auf.

„Olaf“ Er lächelte. „Ist es vorbei?“.

Olaf, ein Mann in den mittleren Jahren, ließ sich einfach neben ihn fallen und lehnte sich gegen die kalte mauer der Krypta. Durch die Lehmkruste konnte man erkennen das seine Haare die Farbe von Stroh hatten. Trotz der blutüberströhmten Kleidung und der lehmverschmierten Haut stachen die harten kantigen Gesichtzüge dieses Mannes hervor. Ein wuchtiges Kinn verriet die Willenstärke des Blonden. Er atmete einige male tief ein und richtete seinen Blick auf den sterbenden Priester. Ein trauriges Lächeln umspielte seine Lippen.

„Noch nicht mein Freund.“ Er spuckte vor sich hin. „Ich habe ihn in einer Nebenkammer gestellt. Er hatte wohl lange nichts mehr getrunken und war geschwächt.“ Olaf richtete seinen Blick in die Leere. „Ich versuchte ihn mit der Macht des Kreuzes in die Enge zu treiben jedoch schien es ihn nichts anhaben zu können. Im Gegenteil: Er verspotette mich." Er schauderte sichtlich. "Als er dann mich angriff konnte ich nur mit Mühe seinen Pranken ausweichen. Dem Herrn sei dank. Auch das geweihte Wasser welches ich ihn ins Gesicht schüttete konnte den Unhold nicht aufhalten. Es machte ihn wütend. Er fing an wild um sich her zu schlagen und erwischte eine säule die sofort brach und ihn unter sich begrub. Ich nutzte das Geschenk des Herren und rammte ihn den Eichenpflock durch das herz in die erde auf das er festgenagelt sei und nicht wieder aufstehen vermag. So haben es die Heiden früher mit Blutsaugern gemacht und sie dann mit den kopf nach unten begraben. Keine Sorge“ fügte er hinzu als er den angsterfüllten blick seines Gegenübers bemerkte. „Er kann da nicht weg. Er ist schwach und wird immer schwächer. Um sicherzugehen habe ich ihn noch das Kreuz in die Brust gerammt. Ich sammle gleich etwas Holz und dann wird er brennen.
Olaf atmete tief ein. Er versuchte aufzustehen stöhnte aber leise als sein verletztes Bein nachgab und er gezwungen was sich wieder hinzusetzen.

„Olaf..“ die Stimme des Pristers war nur noch ein Flüsstern. „Olaf du musst es zu ende bringen. Du musst verhindern das..“ er stockte „Du musst mich töten Olaf“ der Priester lächelte schwach. Olaf schaute ihn ausdruckslos an „ Lass es nicht zu das ich wie dein Weib Hilde ende.“

Der blonde Hühne atmete tief ein. Seine Stirn legte sich in falten. Er nickte.
„ Der Wille des Herrn soll geschehen“ murmelte er leise. „Mein Freund“ er drückte schon fast zärtlich die hand des Sterbenden. „Möge der Herr sich deiner Seele annehmen“.
Er drehte sich um. Eine verräterische Träne kullerte seine dreckverschmierten Wangen hinunter. Er griff sich an den Wams und holte ein langes dünnes Messer heraus. Ein Fischmesser. Während der Priester mit einen nahe zu unhörbaren Flüsstern betete: "E nomine padre, et fili, et spiritu sancti“, schaute der große man weg. Als der Priester das Amen schon fast aushauchte, drehte sich Olaf um und stieß ihn ein Messer ins Herz. Er weinte.

„Mordio“ ertönte es plötzlich neben ihn. „Mordio“ schrie eine junge Frauenstimme. „Er hat den Prister getötet.“ Olaf drehte sich ruckartig um. Eine Gestalt in einen schwarzen Trauerkleid rannte den verwucherten Friedhofsweg entlang und schrie aus Leibeskräften.“Priestermörder! Mordio“ Der blonde Hühne warf einen verzweifelten blick in die Krypta. „Herr dein Wille geschehe“-flüssterte er und richtete seine Augen gen Himmel. Die Schreie verstummten. Doch kurz darauf ertönte ein anderes geräusch welches Olaf ins Mark ging. Der Tumult und wütende Schreie einer aufgeregten Menschenmenge. Olaf setzte sich hin und fing an zu beten.

„Da ist er“ keiffte die ihn schon bekannte Frauenstimme. „Da ist der Mörder.“ Müde erhob er sein Haupt und entdeckte mehrere Dutzend Leute die sich auf den schmalen weg in seine Richtung bewegten. Als sie ihn erblickten blieben sie abruppt stehen. „Es ist war“ ertönte es von überall her. „Er hat einen Mann Gottes getötet“. Die Frau die die Menschen hergeführt hatte tratt hervor und spuckte Olaf ins Gesicht. „Mörder.“ Sie riss sich an den Haaren. „Hängt ihn!“. In der Menschenmenge brodelte es. „Ja hängt ihn!“ „ Tötet den Mörder“ Olaf schaute müde herauf. „Gute Leute hört....“ doch er kamm nicht dazu den Satz zu vollenden. Ein dickleibiger alter Mann mit einen riesen Schnurbart und knallroten kopf trat plötzlich vor ihn und schlug ihn auf den Schädel mit einen dicken Baumast dem er gerade vom Boden aufsammelte. Dies war das Signal für die aufgebrachte Menge. Schreiend und mit vor Zorn brennenden Augen stürzten sie sich auf Olaf. Sie Schlugen ihn mit allen was sie gerade zu Hand hatten, Frauen kreischten und rissen ihn an den haaren. Jedoch spürte Olaf keinen Schmerz. Eine matte Gleichgütigkeit ergriff von ihn Besitz. Sollte alles um sonst gewesen sein? Er erinnerte sich an das Grauen welches er in der Krypta hinter ihn ließ und erschauerte. „Der Wille des Herrn soll geschehen“ murmelte er erneut. Dies sollten seine letzten Worte gewesen sein, denn ein großer Stein geworfen aus der gesichtlosen menge raubte ihn das bewusssein und schenkte ihm die gnädige ohnmacht. Die nächten Hiebe brachten ihn den Tod.
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geschrieben am: 10.01.2010    um 23:56 Uhr   IP: gespeichert
Der Mob versiegelte die Krypta und trug in einer feierlichen Trauerprozession den lLeichnam des Priesters durch die Strassen der Stadt. Olafs Leichnam wurde an einen Ochsenkarren festgebunden hinter den Trauernden hergezogen. Die menschen spuckten ihn an und warfen steine nach ihn.




Es ist ein Ausschnitt aus einen Roman an dem ich zu Zeit arbeite.
der roman geht auch noch weiter...bei interesse einfach mal fragen.......
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