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Planets Stories from outer Space : Die Seele des Maschinenmenschen

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geschrieben am: 22.01.2002    um 19:37 Uhr   
Überall erstrecken sich endlos die Reihen freier Plätze. Eine Leinwand schwebt wie eine Fata Morgana direkt vor meinem Gesicht. Ich glaube, ich sitze in einer Art Kino, aber ich kann nichts genaues erkennen. Da sind nur die vielen freien Plätze und die riesige Leinwand, auf der irgendetwas läuft, aber die Bilder sind seltsam verschwommen, so als säße ich in einem Aquarium und es ist absolut still. Deshalb haben mir die Mechaniker einen Lautsprecher in meinen Kopf eingebaut. Niemals bin ich alleine, immer sind die Stimmen in meinem Kopf, wie ein Wasserfall. Wenn ich versuche, mich auf den Film zu konzentrieren, dann schaffe ich es manchmal, die Stimmen zu ignorieren, aber dann kommen die Mechaniker und drehen an der Lautstärke. Der Knopf dafür ist irgendwo in mir drin, in meinem Kopf. Die Mechaniker haben mich auch auf diesen Platz gesetzt. Immer wenn ich kaputt bin, dann kommen sie, reparieren mich und setzen mich auf meinen Platz zurück.
Ich verhalte mich ganz ruhig und versuche, keine Angst zu haben. Angst schürt die Angst, sage ich mir, aber ich habe trotzdem Angst. Immer wenn ich Angst habe, dann kommen die Kabel aus der Leinwand. Als die Kabel das erste mal kamen, da dachte ich, sie seien aus Knete und würden durch versteckte Löcher von irgendetwas hineingedrückt. Die Kabel sind aber aus Plastik und Metall. Wie lange, dünne Fäden tasten sie sich voran. Ich bin mir sicher, das die Kabel blind sind, aber sie können mich riechen. Wenn ich Angst habe, dann können sie es riechen. Irgendwann ist dann das ganze Kino voller Kabel. Es sieht aus, wie in einer Schlangengrube. Langsam umschlingen sie meine Arme, Beine, meinen ganzen Körper, bis von mir nichts mehr zu erkennen ist. Sie ziehen mich rüber auf die andere Seite, durch die Leinwand in den Film. Wenn ich mich jetzt umschaue, dann kann ich zurück ins Kino sehen, sehe den leeren Platz, auf dem ich gerade noch gesessen habe. Mein Platz ist ganz leicht auszumachen, denn auf allen anderen Plätzen sitzen nun Menschen mit Dioden in den Augen. Das ganze Kino ist voll mit denen. An vielen Stellen fällt ihnen die Haut vom Körper und ich kann Metall und Schrauben erkennen. Ich glaube, die sitzen eigentlich immer da, ich kann sie aber nur sehen, wenn mich die Kabel in den Film gezogen haben. Ich nenne sie die Maschinenmenschen und ich habe Angst vor ihnen. Mit ihren Diodenaugen wollen sie mir in den Kopf gucken. Es tut weh und brennt auf der Haut. Am liebsten würde ich wegschauen, aber ich weiß nicht wohin. Es hätte auch keinen Zweck, denn es dauert nur wenige Sekunden, bis mich die Forscher erreicht haben. Die sind unheimlich schnell und wenn sie mich packen, dann ist das wie mit Schraubstöcken aus Eis. Vor den Forschern habe ich noch mehr Angst, also sehe ich mir lieber die Maschinenmenschen an, solange ich noch die Zeit dazu habe. Bin ich auch ein Maschinenmensch?
Die Forscher schleifen mich dann durch viele lange Gänge. Die Wände sind grün und fühlen sich an, wie lackiert. Es sieht aus, wie in einem unterirdischen Krankenhaus, nur das sich der Boden hier ganz langsam dreht. Den Forschern scheint das nichts auszumachen. Sie laufen einfach immer weiter, den Boden, die Wand, die Decke, die Wand und wieder den Boden entlang, wie in einer Schraube. Nur ich scheine dem Gesetz der Schwerkraft zu gehorchen und baumle in ihrem eiskalten Griff, wie ein Stück Gepäck. Sich zu wehren ist zwecklos und verursacht Schmerzen, also wehre ich mich nicht. Ich kann sehen, wie ihre kahlen, gesichtslosen Köpfe hin und herwackeln, wie sie sich freuen, mich erwischt zu haben. In meinem Kopf höre ich ihre Stimmen, der Lautsprecher, ein schrilles Pfeifen, wie ein Sandstrahler im Gehirn.
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geschrieben am: 22.01.2002    um 19:37 Uhr   
Nach einiger Zeit erreichen wir dann den Untersuchungsraum und ich werde auf einen weißen Tisch gelegt. Mein Körper ist völlig taub, ich bin wie gelähmt, kann nur noch zusehen und das Klatschen meines Fleisches auf dem kalten Tisch hören. Manchmal drücken sie mir den Kopf etwas zur Seite, dann sehe ich den kleinen Roboter, der wenig später alles wieder aufräumen wird. Ich mag den kleinen Roboter. Er sieht aus, wie eine Spinne. Ich mag alles, was mich ein wenig von dem metallischen Klicken der Instrumente ablenkt. Im Untersuchungsraum kann ich sehr gut hören. Der Lautsprecher in meinem Kopf ist still. Keine Stimmen mehr, nur das Klicken der Instrumente.
Dann fängt die Untersuchung an. Die Stellen, an denen sie mich anfassen, werden sofort blutleer. Irgendeine geheimnisvolle Macht treibt mir alle Flüssigkeit in den Kopf und ich kann es pochen hören. Sie wollen wissen, wie ich funktioniere. Sie werden mich immer wieder holen, so lange, bis sie es verstehen, aber ich verstecke mich, so gut ich kann. Vielleicht wird mein Kopf irgendwann mal explodieren, wenn sie mich auf ihrem Tisch liegen haben. Vielleicht tut es auch deshalb nicht weh, wenn sie mich mit 2 langen Schnitten von Kopf bis Fuß aufschneiden. Dann kommen all die seltsamen Dinge herausgesickert, die ich in meinem Körper habe. Zuerst der Staub, wie eine Flüssigkeit, aber völlig trocken und grau. Dann rollen die Schrauben aus mir heraus, in den verschiedensten Größen, Farben und Formen. Die Forscher sammeln alles ein und untersuchen es genau, bevor sie mir die Kabel und Platinen entnehmen. Meine Haut liegt dann völlig leer und schlaff auf dem Tisch. An der gegenüberliegenden Wand beginnt einer der Forscher mit einer großen Zeichnung und alle fangen nun zu diskutieren an. Immer mehr meiner Teile fallen einfach auf den Boden, während sich die Forscher streiten. Der kleine Roboter beginnt nun mit seiner Arbeit, sammelt mich auf, stopft das ganze Zeug in meine Haut zurück und macht mich wieder zu. Sofort schießt das Blut aus meinem Kopf in meinen Körper, aber alles sieht jetzt ganz anders aus. Die Forscher haben mich nicht wieder zusammengebaut. Ich bin kaputt.
Irgendwann sind sie dann fertig mit ihrem Streit und kommen zu mir zurück. Einer nimmt mein Gesicht in seine Hand und sofort wird es ganz blutleer. Mit einem Skalpell setzt er hinter meinem Ohr an und schon nach dem ersten kleinen Schnitt entwische ich ihnen durch das Loch in meinem Kopf. Ich kann fliegen, wenn ich ihnen entwische und wenn ich erst einmal entwischt bin, dann kriegen mich die Forscher nicht mehr. Ich bin dann viel zu schnell. Ich fliege einfach durch alles hindurch. Ich fliege durch die Gänge, die Mauern, die Erde, bis ich draußen bin. Über mir ist nur noch der Himmel und ich fliege einfach immer weiter. Die Sonne zieht mich magisch an. Wenn ich es bis zur Sonne schaffe, dann ist es vorbei. Immer schneller fliege ich, bis in den Weltraum hinein und schneller, schneller. Ich bin jetzt fast so schnell wie das Licht, aber die Sonne wird immer kleiner. Alles um mich herum verschwindet, nur die Sonne und ich sind noch da. Ich fliege noch schneller und schneller, doch die Sonne wird kleiner und kleiner. Ich schaffe es nicht, sie ist nur noch ein roter Punkt am Ende des Universums. Daneben ist noch einer. Und dann noch einer und noch einer. Tausende kleiner roter Punkte glühen in meine Richtung. Ich liege deformiert vor der Leinwand und die Maschinenmenschen sehen mich mit ihren Diodenaugen an. Der Lautsprecher in meinem Kopf ist still, ich bin defekt. Von fern höre ich metallisches Schleifen und Stampfen. Das sind die Mechaniker.
*kasching-kaschak-kasching-kaschak*
Sie kommen.


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