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geschrieben am: 18.10.2001 um 05:15 Uhr
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[Fortsetzung]
Ein kleines Problemchen taucht ganz am Rande dann aber doch noch auf. Einen Staat niederzumomben ist ne feine Sache, aber leider leben da so komische Menschen, ich glaub, Afghanen heißen die, und die haben mit diesem bellum iustum recht wenig am Hut. Der Eindruck, man würde einem Volk Schaden zufügen, würde die himmlische Gerechtigkeit der Militärschläge (da ist es wieder, mein neues klinisch reines Lieblingswort) ein klein wenig trüben. Doch kein Problem. Wir schicken hinter jeder Bomberstaffel einfach einen Transporter hinterher, der nicht Bomben, sondern Lebensmittelpakete abwirft, gefüllt mit Erdnussbutter und Trockensuppe.
Dein Heim war unserer Terroristenjagd leider im Weg, deine Eltern sind Kollateralschäden, deine Geschwister verhungern? Das musst du verstehn, wir führen keinen Krieg gegen dein Volk, sondern ausschließlich gegen dein Regime. Sieh doch, als Beweis schenken wir dir Erdnussbutter! Na wenn das nicht selbst die Grünen überzeugt... Wie, der Winter steht vor der Tür und du hast nichts zu essen? Ach, jetzt hör mal auf, vom Roten Kreuz zu faseln, wieso mussten die ihr blödes Hilfsgüterdepot auch ausgerechnet dort bauen, wo wir ne Bombe abwerfen wollten? Hier hast du ein warmes Süppchen, da sieht die Welt doch direk viel sonniger aus! Wie, tut sie nicht? Tja, zum Glück interessiert sich keiner für dich, da du im Gegensatz zu unseren Siegen niemals auf irgendeinem Fernsehbildschirm auftauchen wirst. Schönen Tag noch.
Wenn sich jemand für das afghanische Volk interessieren würde, wo ist dann sein Engagement dafür? Wo ist die Überlebenshife, die es zumindest über den harten Winter bringen wird, wo sind die Konzepte für wirtschaftlichen Aufbau? Bestürzend, dass all dies durch Trockensuppenpropaganda ersetzt wird, und es nicht mal jemanden stört. Aber wieso denn auch? Es geht doch garnicht um die Afghanen. Es geht darum, ein paar eindrucksvolle Fernsehbilder zu schaffen, damit sie den ungebrochenen Stolz Amerikas überzeugend illustrieren.
Huch, jetzt bin ich abgeschweift. Ich wollte noch nach dem tatsächlichem Effekt dieses Krieges fragen.
Es wurde davon geredet, einen Schlag gegen die Infrastruktur des Terrorismus zu führen.
Sind niedergebombte Lehmhütten, ist die mögliche Ersetzung eines damals gegen ein Unrechtsregime eingesetzten Unrechtsregimes durch ein anderes Unrechtsregime ein Sieg über den Terrorismus? Wird so eine Bedrohung der sogenannten westlichen Zivilisation (hach, klingt das herrlich überlegen) ausschließen können?
Es ist ausgeschlossen, dass sich die Infrastruktur des Terrorismus auf Afghanistan beschränkt. Bevor man also von einem Sieg sprechen kann, müsste man sie global zerschlagen. Schön, wie solls also weitergehn? Kommt als nächstes der Krieg gegen den Irak, dann gegen den Iran, gegen Kuba, gegen (weiß nicht) Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emriate?
Wenn gegen diese Staaten ebenso vorgegangen werden würde wie gegen Afghanistan, hätten wir einen Weltkrieg. Wenn man es aber nicht tut, wie kann man dann denken, dass die terroristische Bedrohung ernstlich getroffen worden wäre?
Militärische Mittel sind schlichtweg nicht in der Lage, den Terrorismus zu bekämpfen, dazu braucht es Geheimdienste. Das weiß auch jeder. Die Frage bleibt im Raum stehen: Wieso trotzdem ein Krieg? Die Antwort bleibt ebenfalls: Außenwirkung.
Waeschekorb (lebenslanger Kaugummi-Hasser) |
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