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geschrieben am: 27.07.2004 um 21:06 Uhr
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Hi sheet. Dankesehr. Und gerade weil du ne andere Meinung hast, bietet sich als nächsten Schritt doch an, das "fast" zu streichen und mitzumachen.
Hi anthropoid.
Dein Vergleich mit einer Computersoftware ist ebenso oft wie hübsch zu lesen, aber unzutreffend. Menschliches Denken mit dem Abspulen einer Programmierung zu vergleichen, ist höchst irreführend. Denn in den seltensten Fällen werden vom Menschen Daten mit Algorhythmen verarbeitet. Wenn man hier unbedingt Computer-Sprache anwenden muss, dann geschieht die Verarbeitung analog. Weil ich diese Sprache nicht spreche, möchte ich es nicht vertiefen, aber Google wird dir sicherlich etwas über den Unterschied zwischen der digitalen Datenverarbeitung durch einen Rechner und der analogen Kommunikation durch das menschliche Hirn verraten können.
Nur einige Gründe, warum der Vergleich unangemessen ist:
- Die Systeme sind nicht festgeschrieben wie ein Quelltext, sondern gestalten sich permanent um.
- Menschliche Entscheidungen funktionieren nicht nach dem Schema Input --> Algorhythmus --> Output, wobei Input und Algorhythmus das Output vollständig festlegen, sondern zeichnen sich durch eine relative Offenheit aus.
- In einer Software sind alle denkbaren Situationen (? Wie gesagt, ich spreche diese Sprache nicht) klar definiert, damit es zu keinen Fehlern kommt. Im kulturellen Bereich ist das schlichtweg nicht der Fall. Es gibt unzureichende Bestimmungen, Lücken, Widersprüche.
- Der Mensch steht nicht nur in einem System, sondern in vielen, teilweise sich ergänzenden, teilweise widerstreitenden. Was das System Kapitalismus befürwortet (erzwingen kann es nämlich nichts), kann durch andere Systeme verworfen werden. Bsw. Familie, Religion, Freundschaft, Gruppenkultur, Moral, Glücksstreben. (Der Ausdruck Systemn ist eine Metapher, und zwar eine sehr schlechte.) Der Versuch, nur im System Kapitalismus zu leben, wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Du stehst vor der Aufgabe, dich in und zwischen vielen Systemen zu bewegen.
Natürlich gibt es Manipulationsversuche und natürlich gibt es das, was du Steuerungsmechanismen nennst. Aber die Versuche sind erstmal nur Versuche. Inwieweit sie Erfolg haben, hängt auch davon ab, wie du ihnen begegnest. Du sprichst von Scheuklappen und gefestigter Persönlichkeit. Formuliert man das etwas neutraler, ist es völlig richtig. Einen Großteil der Werbung (in Fernsehen, Radio, Internet, ...) kann man vermeiden, wenn man es will. Und es ist sowohl sinnvoll als auch möglich, die Manipulationsstrukturen zu kennen und zu erkennen. Die Stererungsmechanismen sind, da werden wir einer Meinung sein, kein Ziehen an Marionettenfäden, sondern ein leichtes Stubsen in eine bestimmte Richtung. Je besser du die verschiedenen Stubse nach Art und Richtung wahrnehmen und einschätzen kannst, desto freier kannst du dich zwischen ihnen bewegen.
Und es gibt verschiedenes Gestubse in verschiedene Richtungen. Geld ist beileibe nicht das einzige. Im Alltag werden wahrscheinlich sogar zwischenmenschliche Bedürfnisse größeren Einfluss haben als das Streben nach Geld.
Möchtest du Gedanken wie "Man braucht Geld für die Stereoanlage" wirklich als Manipulation, gar als Zwang bezeichnen? Immerhin ermöglichen sie sowohl Produktion als auch Genießen. Historischer Fakt: Ohne sie klappt es nicht. Sie wären also besser als Ermöglichung zu bezeichnen, nicht als Zwang. Sonst müsstest du auch sagen, wir seien gezwungen, zu atmen. Das ist keine sinnvolle Aussage. |
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